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Rede von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier beim Staatsbankett am 12.12.2017 in Accra

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Wenn Sie mich jetzt nach einer gemeinsamen Leidenschaft von Ghana und Deutschland fragen würden – und ich glaube, da gibt es mehr, als man zunächst denkt – würde ich vermutlich als Erstes erwähnen, wie sehr wir in beiden Ländern vom Fußball fasziniert sind.

Bundespräsident Steinmeier hält eine Rede beim Staatsbankett.
Rede beim Staatsbankett© Bundesregierung/ Jesco Denzel

Wenn Sie mich jetzt nach einer gemeinsamen Leidenschaft von Ghana und Deutschland fragen würden – und ich glaube, da gibt es mehr, als man zunächst denkt – würde ich vermutlich als Erstes erwähnen, wie sehr wir in beiden Ländern vom Fußball fasziniert sind. Gerald Asamoah begleitet mich auf dieser Reise – er weiß am besten, was ich meine.

Lassen Sie mich eine Geschichte erzählen: Es war gegen Ende der Weltmeisterschaft 2014 in Brasilien, in ein paar Tagen sollte das Endspiel zwischen Deutschland und Argentinien stattfinden. Und mein Telefon stand keine Sekunde still. Kollegen aus ganz Europa schickten mir Nachrichten: ""Deutschland ist jetzt das letzte europäische Team im Spiel, wir drücken die Daumen, dass ihr den Titel holt! Ihr steht jetzt für ganz Europa!""

Und nach allem, was ich gehört habe, galt im Jahr 2010, während der WM in Südafrika, dasselbe für Ghana. Die ghanaische Mannschaft stand in der Endrunde bis hin zum Viertelfinale stellvertretend für den ganzen Kontinent. Mir wurde gesagt, dass in den Straßen von Accra damals rund um die Uhr gefeiert wurde, und unsere Botschaften überall in Afrika berichteten von einem Meer aus ghanaischen Flaggen. In der Zeitung stand zu lesen: ""Ghana, der Stolz Afrikas."" Das ist meiner Ansicht nach eine sehr treffende Beschreibung der Rolle Ghanas auf diesem Kontinent.

Es ist mir eine große Freude, wieder in Ghana zu sein. Es ist ein Besuch bei Freunden, die mit Deutschland viele Werte teilen und sich für dieselben Ideale einsetzen wie wir: Demokratie, Rechtsstaatlichkeit, Menschenrechte und das große Projekt sozialen und wirtschaftlichen Wohlstands. Ghana ist in der Region ein Leuchtturm der Stabilität, wie die friedliche Machtübergabe Ende 2016 erneut gezeigt hat. Ich bin beeindruckt, welche Beiträge Ghana in den Vereinten Nationen, der Afrikanischen Union und ECOWAS leistet. Auch für die Umsetzung der Agenda 2030 ist Ghana von zentraler Bedeutung, ist doch Präsident Akufo-Addo offizieller ""Advocate"" der Ziele der Vereinten Nationen für nachhaltige Entwicklung. Es war mir eine überaus große Freude, Sie, Herr Präsident, letzten Juni als alten Freund in Berlin begrüßen zu dürfen.

Ghana wird oft als vorbildliches Land in Afrika genannt, und das nicht nur in wirtschaftlicher Hinsicht. Wir alle wissen, dass Entwicklungszusammenarbeit zu kurzfristigen Verbesserungen in bestimmten, gezielt geförderten Bereichen führen kann. Wie Präsident Akufo-Addo jedoch mit seiner Vision von einem Ghana Beyond Aid (""Ghana jenseits von Hilfsleistungen"") anerkannt hat, gründet langfristiger Erfolg auf einer starken lokalen Wirtschaft. Es sollte afrikanische Länder wie Ghana mit Stolz erfüllen, wenn sie von sich behaupten können, dass ihre Abhängigkeit von ausländischer Hilfe sinkt. Hierbei unterstützen wir Ghana sehr gerne. Während der deutschen G20-Präsidentschaft haben wir die Initiative ""Compact with Africa"" ins Leben gerufen, mit besonderem Fokus auf Investitionen im Privatsektor und das Schaffen nachhaltiger Arbeitsplätze. Auf bilateraler Ebene schlagen wir mit der heute unterzeichneten Absichtserklärung für eine neue Reform- und Investitionspartnerschaft ein neues Kapitel der Zusammenarbeit auf. Lassen Sie mich sagen: Ich verspüre bei diesen Initiativen einen neuen Geist und großen Optimismus.

Ghana hat eine lebendige und dynamische Wirtschaft. Mein Besuch hier ist also auch eine Chance für mich und unsere Wirtschaftsdelegation, aus nächster Nähe einen Eindruck davon zu gewinnen, was bereits erreicht wurde – und was in Zukunft noch erreicht werden kann. Deutsche Unternehmen sind aktiv auf der Suche nach Investitionsmöglichkeiten und Wegen der Zusammenarbeit. Und ich freue mich sehr, dass wir während dieses Besuchs die Gelegenheit haben werden, mit jungen Unternehmern und Existenzgründern zu sprechen. Denn ihre Arbeit gehört zu den wichtigsten potenziellen Triebkräften für Innovation und Wohlstand.

Die Jugend ist unsere Zukunft, zu Hause in Deutschland ebenso wie hier in Ihrem Land. Wir müssen unser Bestes tun, um diese Zukunft in Wohlstand zu gestalten. Das sind wir den jungen Leuten schuldig. Wenn wir die Tausenden jungen Männer und Frauen sehen, die die gefährliche Reise durch die Sahara und über das Mittelmeer auf sich nehmen, dann wissen wir, dass ihre Träume von gewissenlosen Verbrechern ausgenutzt werden. Viele überleben die Reise nicht. Und manche der größten Talente Afrikas – die hier vor Ort gebraucht werden, um die Zukunft für Ghana und ganz Afrika zu gestalten – müssen sogar den Albtraum moderner Sklaverei erleben. Das können wir nicht akzeptieren, wir müssen mehr tun.

Wir müssen den jungen Menschen Hoffnung geben und ihnen echte Perspektiven in ihrer Heimat anbieten. Sie, Herr Präsident, haben dies in Ihrer jüngsten gemeinsamen Erklärung mit dem französischen Präsidenten Macron Ende letzten Monats sehr deutlich gemacht. Die Bemühungen müssen vor Ort erfolgen, aber wir sind gerne bereit zu helfen. Der Blick auf die starken Beziehungen zwischen Deutschland und Ghana in den Bereichen Bildung und Forschung erfüllt mich mit Hoffnung. Wir können stolz sein auf die etablierten akademischen Austauschprogramme und auf neue Projekte wie das Internationale Merian-Zentrum für Höhere Studien (MICAS) in Accra. Auch werden wir weiterhin Vorschläge für gute, bewährte Verfahren unterbreiten, etwa im Bereich der dualen Berufsausbildung, die für Deutschlands wirtschaftlichen Wohlstand eine wichtige Rolle spielt.

Als die Ghanaer 2010 ihren Erfolg im Fußball feierten, wurde auch deutlich, dass Ghana über eine starke Zivilgesellschaft mit starkem sozialen Zusammenhalt verfügt. Ich bin tief beeindruckt von der Diskussionskultur in Ihrem Land und von Ghanas positivem Blick in die Zukunft. Ich komme selbst aus einem Föderalstaat mit starken Regionen und weiß daher, dass es nicht immer einfach ist, das Gleichgewicht zu wahren und zu gewährleisten, dass jede Stimme gehört wird. Inklusives Wachstum und gemeinsamer Wohlstand sind dabei sehr wichtig, aber wir dürfen die Rolle eines gemeinsamen Bewusstseins für Identität und Zugehörigkeit dabei nicht unterschätzen.

In dieser Hinsicht ist Fußball ein besonders gutes Beispiel: Hier kommen alle Menschen mit einer positiven Einstellung zusammen. Lassen Sie mich zu guter Letzt erwähnen, dass unsere beiden Länder in der letzten WM 2014 in Fortaleza 2:2 unentschieden gespielt haben. Ich denke, diese Tatsache steht in geradezu exemplarischer Weise für die guten und freundschaftlichen Beziehungen zwischen unseren beiden Ländern.

Bitte erheben Sie Ihr Glas mit mir: Auf Präsident Akufo-Addo und auf die Freundschaft zwischen Ghana und Deutschland!

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