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Ghana: Wirtschaft

23.05.2019 - Artikel

Ghana verzeichnet seit 2017 wieder hohe Wachstumsraten (2018 ca 6%, prognostiziert für 2019 ca 7%) und zählt zu den afrikanischen Ländern mit den höchsten Wachstumsraten. Ghana zählt zur Gruppe der (unteren) Mitteleinkommensländer (LMIC).

Stand: März 2019


Wirtschaftslage


Ghana verzeichnet seit 2017 wieder hohe Wachstumsraten (2018 ca 6%, prognostiziert für 2019 ca 7%) und zählt zu den afrikanischen Ländern mit den höchsten Wachstumsraten. Ghana zählt zur Gruppe der (unteren) Mitteleinkommensländer (LMIC).

Die mittelfristigen Aussichten sind trotz bestehender Risiken (Staatsverschuldung, Haushaltsdefizit) positiv.


Das Wirtschaftsprogramm der seit Januar 2017 im Amt befindlichen Regierung zielt auf Modernisierung und Industrialisierung Ghanas. Zweiter Schwerpunkt ist die Stärkung der Landwirtschaft. Leitvision ist „Ghana beyond Aid“. Die Regierung hat eine Vielzahl von Maßnahmen zur Stärkung der Landwirtschaft und Industrie, darunter Steuersenkungen, Anreize für den Privatsektor und Ausbau der Infrastruktur sowie die Digitalisierung der Verwaltung, durchgeführt

Der weitgehend staatliche Stromsektor befindet sich im Umbruch. Teile des Verteilungsnetzes werden privatisiert, erneuerbare Energiequellen weiter ausgebaut.  Daneben soll das bei den Ölfunden vor der Küste ebenfalls in förderfähigem Umfang entdeckte Erdgas stärker für die Energieversorgung des Landes genutzt werden. Die Regierung hat mehrere Absichtserklärungen zur Zusammenarbeit in der Kernenergie mit China und Russland abgeschlossen und Anfang 2019 die 1. Phase des Kernenergie-Entwicklungsplans gem. IAEO-Regularien abgeschlossen.

Seit der Energiekrise im Jahr 2015 ist der ghanaische Energiesektor strukturell überschuldet. Gründe sind zu hohe Produktionskosten auf Basis von nachteiligen Energie-Einkaufsabkommen (Power Purchasing Agreements – PPA) und technische und nicht-technische Verluste. Ein erster Versuch der Regierung, die Überschuldung über ein Investorenmodell zu reduzieren, blieb weit unter den Erwartungen. Die Privatisierung des staatlichen Energie-Verteilungsunternehmens Electricity Company of Ghana (ECG) unter dem Millennium Challenge Compact (USA) hat erforderliche parlamentarische Hürden genommen.

Im April 2015 wurde zwischen der ghanaischen Regierung und dem IWF ein Reformprogramm vereinbart, das eine finanzielle Unterstützung durch IWF-Kredite in Höhe von 918 Mio. US-Dollar über drei Jahre vorsieht. Im Gegenzug verpflichtet sich Ghana zu einer transparenten Budgetpolitik und zu einem Abbau seines Haushaltsdefizits. Nachdem am Ende des Mandats der Vorgängerregierung ein erhebliches Überschreiten der Ausgabengrenzen und damit der Staatsverschuldung festzustellen war, verfolgt die aktuelle Regierung eine sehr restriktive Sparpolitik. Ausgaben werden im Verhältnis zur Entwicklung der Einnahmen angepasst, das geplante Haushaltsdefizit von ca. 4,5 % für 2018 (Ende 2016: mehr als 10 %, 2017: 5,3 %) ist (trotz Einnahmeausfällen von bis zu 10 % des geplanten Budgets) ist realistisch. Das Programm ist am 2. April 2019 planmäßig ausgelaufen.

Wirtschaftsbeziehungen zu Deutschland und der Europäischen Union

 

Ghana war 2018 einer der wichtigsten Handelspartner Deutschlands in Subsahara-Afrika. Das bilaterale Handelsvolumen mit Deutschland stieg um 25% im Vergleich zu 2017 und betrug 630 Mio. Euro (2017: 481 Mio. Euro) Die deutschen Exporte nach Ghana betrugen 230 Mio. Euro (2017: 266 Mio. Euro), die Importe aus Ghana 400 Mio. Euro (2017: 215 Mio. Euro). Wichtigste Einfuhren aus Deutschland sind Fahrzeuge, Maschinen und chemische Erzeugnisse. Deutschland ist Marktführer beim Fahrzeugimport. Erdöl und Kakao sind neben Öl- und Gasprodukten die wichtigsten ghanaischen Exportprodukte für Deutschland.

Das 2011 eröffnete Delegiertenbüro der deutschen Wirtschaft in Accra (AHK Ghana) und die deutsch-ghanaische Wirtschaftsvereinigung „German-Ghanaian Economic Association“ mit derzeit rund 60 Mitgliedern sind bestrebt, die Wirtschaftsbeziehungen zwischen Ghana und Deutschland zu fördern. Seit Januar 2014 ist auch die Germany Trade and Invest (GTAI) in Ghana mit einem Büro und einer Zuständigkeit für das gesamte Westafrika in Accra vertreten.

Vom 11.-13. Februar 2019 fand in Accra der von der Subsahara-Afrika-Initiative der Deutschen Wirtschaft (SAFRI) ausgerichtete 3. German-African Business Summit (GABS) mit 670 Teilnehmer*innen aus Deutschland und ganz Afrika statt, der das große Interesse deutscher Unternehmen am afrikanischen Markt unterstrich.

Das ghanaisch-deutsche Investitionsschutzabkommen ist seit dem 23.11.1998 in Kraft, das Abkommen über die Vermeidung der Doppelbesteuerung seit 01.01.2008.

Die Wirtschaftsbeziehungen Ghanas zur EU sind eng. Die EU ist einer der wichtigsten westlichen Partner im Rahmen der Entwicklungszusammenarbeit und wichtigster Handelspartner für Ghana. Zum Interim-Economic Partnership Agreement siehe „Außenpolitik“.

Inflation und Währungspolitik

Die Inflationsrate lag im November 2018 bei 9,2 % (ggü. 17 % im Jahr 2017). Die Zentralbank strebt eine Inflationsrate von 8 % +/- 2 % an.

Der Leitzins, der durch die Bank of Ghana im vergangenen Jahr mehrfach gesenkt wurde, liegt aktuell bei 16 %.

Der Wechselkurs des Ghana-Cedi schwankt zuweilen erheblich zu den Leitwährungen Euro und US-Dollar und ist stark von Deviseneinnahmen des Staates aus Erdöl-, Gold- und Kakaoerlösen abhängig.

Wichtigste Wirtschaftszweige

Im Golf von Guinea wurden vor Ghanas Küste substanzielle Ölvorkommen entdeckt. Ghana hat im Dezember 2010 die kommerzielle Ausbeutung der Ölvorkommen begonnen, die Fördermenge ist inzwischen auf über 250.000 Fass pro Tag gestiegen. Ein Projekt zur Nutzung des bei der Erdölförderung anfallenden Gases ist seit Anfang 2015 in Betrieb und senkt die Abhängigkeit von der volatilen Gasversorgung aus Nigeria.

Inzwischen ist Öl nach Gold das zweitwichtigste  Exportgut Ghanas. An dritter Stelle rangiert Kakao. Ghana ist zweitgrößter Kakaoproduzent weltweit und exportiert insbesondere in die Niederlande, Großbritannien, Deutschland und die USA. Wichtigste Importgüter sind Fahrzeuge, Maschinen und Nahrungsmittel. Ghana beabsichtigt, mit internationaler Unterstützung eine Aluminiumproduktion zur Verarbeitung des in Ghana reichhaltig vorkommenden Bauxits aufzubauen

Investitionsbedingungen

Die Regierung Ghanas hat das ambitionierte Ziel, Ghana zum wirtschaftsfreundlichsten Land in Afrika zu machen. Dazu plant sie auch Maßnahmen, um die Attraktivität des Landes für Auslandsinvestoren zu steigern.

Im jüngsten „Doing-Business“-Bericht der Weltbank aus dem Jahr 2018 nimmt Ghana Platz 114 (von 190) ein. Im Vorjahr belegte das Land Platz 120 (von 190). Die Regierung strebt eine Platzierung um den 60. Platz herum an und unternimmt Anstrengungen zur Verbesserung der wirtschaftlichen Rahmenbedingungen.

Bürokratische und logistische Hindernisse, Unsicherheiten beim Landerwerb, der Durchsetzung von Rechtsansprüchen, unzureichende Ausbildung der Arbeitskräfte und mangelhafte Straßen- und Transportinfrastruktur haben das Investitionsklima bisher beeinträchtigt.

Hinweis:

Dieser Text stellt eine Basisinformation dar. Er wird regelmäßig aktualisiert. Eine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben kann nicht übernommen werden.

Weitere Informationen

Ghana ist Kooperationsland der deutschen Entwicklungszusammenarbeit. Nähere Informationen hierzu beim Bundesministerium für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung:

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