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Wirtschaft

27.11.2017 - Artikel

Stand: November 2017

Wirtschaftslage

Ghana zählt zur Gruppe der (unteren) Mitteleinkommensländer (LMIC). Nach starkem Aufschwung seit Anfang der 2000er Jahre befindet sich das Land nun in einer Phase schwachen Wachstums, verursacht durch die niedrigen Weltmarktpreise für Rohstoffe, aber auch durch die Wirtschaftspolitik.

Das Wirtschaftswachstum Ghanas sank in den letzten Jahren stetig von 4,2 % in 2014 bis auf 3,5 % in 2016, einem Rekordtief der letzten 26 Jahre. Dennoch bleiben die mittelfristigen Aussichten eher positiv, auch wenn signifikante Risiken (Staatsverschuldung) nicht übersehen werden dürfen. Für 2017 wird wieder ein höheres Wirtschaftswachstum (IWF: ca. 6 %) prognostiziert.

Das Wirtschaftsprogramm der seit Januar 2017 im Amt befindlichen Regierung enthält eine Vielzahl von geplanten Maßnahmen zur Stärkung der Landwirtschaft und Industrie, darunter Steuersenkungen, Anreize für den Privatsektor und Ausbau der Infrastruktur.

In den kommenden Jahren sollen durch die Fertigstellung bereits im Bau befindlicher Gas- und Kohlekraftwerke neue Kapazitäten im weitestgehend staatlichen Energiesektor geschaffen werden. Parallel dazu ist geplant, die Nutzung erneuerbarer Energiequellen weiter auszubauen. Mittelfristig sieht die Regierung allerdings Kohlekraftwerke ("clean coal") als zweites Rückgrat der Stromversorgung neben den existierenden Wasserkraftwerken.

Seit der Energiekrise im Jahr 2015 ist der ghanaische Energiesektor strukturell überschuldet. Gründe sind zu hohe Produktionskosten auf Basis von nachteiligen Energie-Einkaufsabkommen (Power Purchasing Agreements – PPA) und technische und nicht-technische Verluste. Ein erster Versuch der Regierung, die Überschuldung über ein Investorenmodell zu reduzieren, blieb weit unter den von der Regierung kommunizierten Erwartungen.

Im April 2015 wurde zwischen der ghanaischen Regierung und dem IWF ein Reformprogramm vereinbart, das eine finanzielle Unterstützung durch IWF-Kredite in Höhe von 918 Mio. US-Dollar über drei Jahre vorsieht. Im Gegenzug verpflichtet sich Ghana zu einer transparenten Budgetpolitik und zu einem Abbau seines Haushaltsdefizits. Nachdem am Ende des Mandats der Vorgängerregierung ein erhebliches Überschreiten der Ausgabengrenzen und damit der Staatsverschuldung festzustellen war, verfolgt die aktuelle Regierung eine sehr restriktive Sparpolitik. Ausgaben werden im Verhältnis zur Entwicklung der Einnahmen angepasst, das geplante Haushaltsdefizit von ca. 6 % (Ende 2016: mehr als 10 %) ist derzeit (trotz Einnahmeausfällen von bis zu 30 % des geplanten Budgets) realistisch.

Wirtschaftsbeziehungen zu Deutschland und der Europäischen Union

Ghana war 2016 Deutschlands viertgrößter Handelspartner in Subsahara-Afrika nach Südafrika, Nigeria und Côte d’Ivoire. Das bilaterale Handelsvolumen mit Deutschland ist von 536 Millionen im Jahr 2015 auf 584 Mio. im Jahr 2016 angestiegen. Sowohl die deutschen Exporte nach Ghana (2014: 265,5 Mio. Euro, 2015: 266 Mio. Euro, 2016: 303 Mio. Euro) als auch die Importe aus Ghana (2014: 205 Mio. Euro, 2015: 270 Mio. Euro, 2016: 281 Mio. Euro) haben 2016 wieder zugenommen. Wichtigste Einfuhren aus Deutschland sind Fahrzeuge, Maschinen und chemische Erzeugnisse. Deutschland ist Marktführer beim Fahrzeugimport. Kakao ist das wichtigste ghanaische Exportprodukt für Deutschland.

Die deutsch-ghanaische Wirtschaftsvereinigung "German-Ghanaian Economic Association" hat derzeit rund 80 Mitglieder und ist bestrebt, die Wirtschaftsbeziehungen zwischen Ghana und Deutschland zu fördern. Ein Delegiertenbüro der deutschen Wirtschaft in Accra wurde im Januar 2011 eröffnet, seit Januar 2014 ist auch die Germany Trade and Invest (GTAI) in Ghana mit einem Büro vertreten.

Das ghanaisch-deutsche Investitionsschutzabkommen ist seit dem 23.11.1998 in Kraft, das Abkommen über die Vermeidung der Doppelbesteuerung seit 01.01.2008.

Die Wirtschaftsbeziehungen Ghanas zur EU sind eng. Die EU ist einer der wichtigsten westlichen Partner im Rahmen der Entwicklungszusammenarbeit und wichtigster Handelspartner für Ghana. Zum Interim-Economic Partnership Agreement siehe "Außenpolitik".

Inflation und Währungspolitik

Die Inflationsrate lag im Oktober 2017 bei 12 %, ggü. 17 % 2016. Für 2017 wird ein Sinken der Inflationsrate auf ca. 10-11 % erwartet.

Der Leitzins, der durch die Bank of Ghana im vergangenen Jahr mehrfach erhöht wurde, zuletzt auf 26 %, liegt aktuell bei 22,5 %.

Der Wechselkurs des Ghana-Cedi hat sich seit dem Frühjahr 2017 erkennbar stabilisiert.

Wichtigste Wirtschaftszweige

Im Golf von Guinea wurden vor Ghanas Küste substanzielle Ölvorkommen entdeckt. Ghana hat im Dezember 2010 die kommerzielle Ausbeutung der Ölvorkommen im Golf von Guinea begonnen, die Fördermenge ist inzwischen auf über 250.000 Fass pro Tag gestiegen. Ein Projekt zur Nutzung des bei der Erdölförderung anfallenden Gases ist seit Anfang 2015 in Betrieb und senkt die Abhängigkeit von der unzuverlässigen Gasversorgung aus Nigeria.

Inzwischen ist Öl nach Gold das zweitwichtigste  Exportgut Ghanas. An dritter Stelle rangiert Kakao. Ghana ist zweitgrößter Kakaoproduzent weltweit und exportiert insbesondere in die Niederlande, Großbritannien, Deutschland und die USA.  Wichtigste Importgüter sind Fahrzeuge, Maschinen und Nahrungsmittel.

Investitionsbedingungen

Im jüngsten "Doing-Business"-Bericht der Weltbank  aus dem Jahr 2017 nimmt Ghana Platz 108 (von 190) ein. Im Vorjahr belegte das Land Platz 114 (von 189).

Bürokratische und logistische Hindernisse, Unsicherheiten beim Landerwerb, der Durchsetzung von Rechtsansprüchen, unzureichende Ausbildung der Arbeitskräfte, und unzureichende und mangelhafte Straßen- und Transportinfrastruktur haben das Investitionsklima bisher beeinträchtigt. Die neue Regierung Ghanas hat das ambitionierte Ziel, Ghana zum wirtschaftsfreundlichsten Land in Afrika zu machen. Dazu plant sie auch Maßnahmen, um die Attraktivität des Landes für Auslandsinvestoren zu steigern. 

Weitere Informationen

Ghana ist Kooperationsland der deutschen Entwicklungszusammenarbeit. Nähere Informationen hierzu beim Bundesministerium für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung: